Das Konzept

„Das Projekt „Broken“ versucht auf künstlerische Weise die Vielschichtigkeit von sexualisierter Gewalt zu erfassen.
Durch filmische Inszenierung, Tanz, Musik und Schauspiel werden Emotionen und Motive des Opfers aber auch des Täters dargestellt. Im Anschluss an die geführte Inszenierung gibt es eine offene Diskussion mit den Besuchern.
Hier kann das Erlebte reflektiert und weiter bearbeitet werden.“
(Informationsmappe, S. 4)

 

Im Folgenden erläutern wir das Konzept unserer Inszenierung. Kunst soll man nicht erklären, sondern für sich sprechen lassen - Wir denken, dass es trotzdem interessant sein kann, auch mal hinter die Fassade eines Kunstprojektest zu blicken.Wer allerdings das Stück noch nicht gesehen hat und sich lieber überraschen lassen will, der sollte am besten erst nach dem Besuch von Broken auf diese Seite schauen!

Broken setzt sich aus fünf Teilen zusammen. Diese finden im Haus, auf unterschiedliche Räume verteilt, statt. Die Wechsel zwischen den Räumen werden von unserem Musiker am Cello begleitet. Im ersten Teil werden eine filmische Installation,  improvisierte Musik und gesprochenes Wort verbunden. Der zweite Teil setzt sich aus tänzerischen Elementen sowie eigens dafür komponierter Musik zusammen. Daran schließt sich ein Kurzfilm an. Im dritten Teil erleben die Zuschauer einen Monolog. Danach ist der Hauptteil der Inszenierung abgeschlossen. Die Zuschauer haben nun die Möglichkeit, sich in einer Pause anhand bildender Kunst und Plakaten zum Thema weiter zu informieren. Der fünfte und letzte Teil ist das Nachgespräch mit allen Beteiligten und dem Publikum.

Das Licht geht aus. Leise ertönen atonale Klänge improvisierter Klaviermusik. Von der Leinwand blicken Masken entgegen, es erscheinen Schlieren; immer wieder sind einzelne Bilder zu erkennen. Es beginnt ein Wechselspiel zwischen Film, Musik und Zitaten.
Die Zitate stammen aus Foren und Büchern von Betroffenen. Das Wechselspiel der verschiedenen künstlerischen Medien soll für eine erste Einstimmung auf das Thema sorgen. Auf abstrakter Ebene werden die Gefühle des Publikums angesprochen, sehr unkonkret, sehr diffus. Pause. Stille.Dann leise Cello-Musik. Zeit, um nachzudenken.

Der Raum wird gewechselt. Die Zuschauer nehmen auf der Bühne Platz. Sie blicken von der Bühne in den Zuschauerraum hinab - zwei Tänzerinnen beginnen ihre Geschichte zu erzählen. Eine Mischung aus Täterstrategien und der Opferinnensicht wird durch Methoden der Kontaktimprovisation, der Tanzimprovisation im Alltag (TIA) und des experimentellen Tanztheaters (EXTATHE) dargestellt. Untermalt wird die Choreografie von der von Martin Wiesner eigens für Broken komponierten Musik.

Wer schon Vorwissen hat, wird in der Choreografie viel wiedererkennen. Aber auch Zuschauer, die sich das erste Mal mit dem Thema auseinandersetzen können besonders auf der emotionaler Ebene erreicht werden.

Der Tanz endet mit einer hoffnungsvollen Handlung. Unter all den Erlebnissen begraben, verschafft sich das "Opfer" wieder Luft zum Atmen. Im Anschluss startet der Kurzfilm "Zerbrochene Seele". Die Folgen von sexueller Gewalt werden abstrakt dargestellt. Innere Prozesse aber auch nach außen sichtbare Symptome werden thematisiert.

Abgerundet wird der Film durch "harte Fakten" - die künstlerische Ebene wird hier das erste Mal mit intellektuellen Informationen gebrochen. Der Zuschauer wird irritiert, auf den "Boden der Tatsachen" zurückgeholt.

Von den erschreckenden und aufwühlenden Erlebnissen im "Keller" des Hauses, geht es nun ins zweite Stockwerk. Brötchenduft strömt entgegen. Ein gemütlicher Raum mit bunten Kissen und warmem Licht lädt die Zuschauer ein, sich zu entspannen und selber durchzuatmen. Begrüßt werden sie von einem netten Herrn mit umgebundener Schürze und einem Brötchenkorb in der Hand. Es folgt ein Monolog. Zu Beginn entspannen sich die Zuschauer, hören dem sympathischen Herrn aufmerksam zu. Nach und nach vermeiden sie Blickkonakt - scheinen sich unwohl zu fühlen. Das anfängliche angenehme Gefühl, scheint sich nach und nach zu verwandeln. Am Ende werden die Zuschauer hinterfragt: "Warum sind Sie eigentlich hier?"

 

 

 

 

Die Inszenierung ist jetzt beendet. Die Zuschauer finden sich im bereits bekannten zweiten Raum, dem "Keller" wieder. Diesmal jedoch im Zuschauerraum, während alle Mitwirkenden von Broken zum Applaus auf der Bühne erscheinen. Es folgt eine Pause von circa 15 Minuten. Im gesamten Haus sind Werke der bildenen Kunst zum Thema "sexuelle Gewalt" verteilt. Außerdem finden sich Informationsplakate sowie verschiedene Broschüren zum Thema. Auch hier wird die intellektuelle mit der künstlerisch-abstrakten Ebene gemischt.

Im abschließenden Nachgespräch lockern die Mitwirkenden von Broken die Atmosphäre auf. Gut gelaunt und mit positiver Ausstrahlung berichten sie von ihrem "echten" Leben und wie sie Teil des Projekts wurden. Dann ist Zeit für die Rückfragen und Anmerkungen der Besucher. Neben Fragen zur Inszenierung selbst, können auch Fragen zum Thema gestellt werden. Gerade beim Thema "sexuelle Gewalt" ist es uns wichtig, mit dem üblichen Verständnis von Kunst zu brechen. Die Zuschauer sollen nicht mit den geweckten Bildern und Emotionen allein gelassen werden, sondern aufgefangen werden. Das Erlebte soll so mit dem Intellekt verbunden werden. So bietet die Vielschichtigkeit der dargebotenen Medien für jeden Zuschauer einen passenden Rahmen für dieses Thema.