Die Motivation

Wie kommt man auf die Idee neben Studium und Jugendarbeit solch ein Projekt auf die Beine zu stellen?

Ehrlich gesagt frage ich mich das seit 2012 fast jeden Tag. 2012 startete mein erstes Theaterprojekt "Jetzt aber schnell" in Zusammenarbeit mit Philipp Falser. 

Kultur, und ganz besonders Theater, war schon immer meine große Leidenschaft. Letztes Jahr entstand im Rahmen eines Seminars an meiner Hochschule die Idee, ein etwas anderes Projekt auf die Bühne zu bringen. Theater eignet sich nicht nur als Unterhaltungsmedium (was es übrigens mindestens seit Brechts epischem Theater - also 1923 - auch nicht mehr ausschließlich sein will), sondern ist eine faszinierende Form der Bildung. Deutschland ist in der Theaterszene eines der führenden Länder der Welt! Und auch wenn die Meinungen über "Postdramatik", "Absurdes Theater" und "Theaterästhetik"  geteilt sind, ist eines doch unumstritten: Theater macht etwas mit den Menschen. Auch wenn ich Brechts Schauspielästhetik nicht zu 100% folge, teile ich doch mit ihm, dass Theater Themen der Gesellschaft auf die Bühne bringen muss. Theater ist nicht einfach nur Unterhaltung, nicht einfach nur ein literarischer Text auf einer Bühne, sondern etwas, das zum Staunen und zum Irritieren bringt. Etwas, das die eigene Sicht auf die Welt ver-stört, sodass andere Wahrheiten als die eigene erkannt werden können. 

Und trotzdem möchte ich bei meinen Produktionen nicht die intellektuelle Ebene ansprechen (wie es Brecht getan hätte). Ich möchte, dass die Zuschauer in diese andere Wahrheiten eintauchen, sie in kleinen Stücken selbst erleben, um sie besser verstehen zu können. Ich möchte, dass sie in ihrer Seele berührt werden, damit sie nicht einfach die Informationen aufnehmen und ein paar Tage später wieder vergessen. Ich möchte kein intellektuelles Verständnis schaffen, sondern ein emotionales. 

Am liebsten würde ich dafür sorgen, dass die ganze Welt versteht. Dass sie versteht, wie Menschen überhaupt in der Lage sein können, anderen Gewalt anzutun. Oder wie es ist zwanghaft immer dasselbe tun zu müssen, niemanden an sich heranlassen zu können, es nicht auszuhalten an einem festen Ort zu bleiben. Ich würde gerne jedem, der sich einsam fühlt sagen, dass er es nicht ist, weil da Menschen sind, die ihn verstehen - die ihn wirklich verstehen, mit allem was er braucht.

So gern ich das auch alles möchte, schlussendlich kann ich es nicht und werde es auch nie können. Aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass es zumindest ein kleines Stück mehr Verständnis auf dieser Welt gibt. 

Broken ist so ein Stück.

 

Julia Rohn - Projektleitung